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Daniel Ziltener, 26.08.16

Es ist ein bewölkter Tag im Mai, an dem ich das Zähringerhaus aufräume, damit es für die Semesterschlussparty der Fachschaft MIB eine gute Falle macht. Da fällt mir beim Altpapierstapel etwas ins Auge: eine Einladung für die 200-Jahre-Feier der Akademischen Turnerschaft Rhenania Bern. Wer die dort entsorgt hat? Man weiss es nicht. Aber durch diesen glücklichen Zufall ergibt es sich, dass ich mich daran mache, eine würdige Fahnendelegation zusammenzustellen, um der Rhenania die Ehre zu erweisen. Es erweist sich zwar als ausserordentliches Kraftstück - erst drei Tage vor der Feier habe ich die Fahnenchargierten zusammen - aber eines, das sich lohnen sollte.

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An diesem 26. August jedoch ist das Wetter eine Zumutung. Die Sonne brennt vom blauen Himmel, und von Schatten in Berns Gassen ist keine Spur zu sehen. Nach dem Zusammensuchen des Vollwix treffen wir - wie üblich mit Verspätung - um viertel nach drei im Kornhauskeller ein, wo wir gerade noch rechtzeitig ankommen, um die letzten Infos mitzubekommen. Die eigentliche Feier beginnt aber nach vier Uhr im Ratssaal des Berner Rathauses. Dort deponieren wir unsere Fahne, und geniessen im Parterre das Apéro mit reichlich Mineralwasser, bevor wir uns streng nach Plan im Ratssaal mit der Fahne aufstellen, und sich die Sitzplätze langsam füllen, bis es gepackt voll ist. Die "Bereitermusik" begleitet anschliessend den Festakt mit Musik. Nach dem Berner Marsch folgen die Reden: der OK-Präsident mit viel Lob und einem regelrechten Referat über die Geschichte der Rhenania (die übrigens "nur" die zweitälteste Verbindung der Schweiz ist, die "Société d’Étudiants de Belles-Lettres" in Lausanne ist ganze zehn Jahre älter), gefolgt von Reden einer Vertreterin des Schweizerischen Turnverbands, den die Rhenania mitgründete, dem Regierungsrat Neuhaus, selbst Couleuriker, der auch die Glückwünsche der Regierung überbringt und verspricht, am Kommers ein Ganzes auf die Rhenania zu trinken, und einem eher philosophischen Vortrag eines Deutschen Professors zum Begriff Freiheit. Wer fehlt? Klar: der neue Rektor der Uni Bern. Er lässt aber immerhin ein zusammengestiefeltes Grusswort vom OK-Präsidenten verlesen.

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So findet denn auch diese Feier mit dem Singen des "Gaudeamus Igitur" ihr Ende, und wir versammeln uns vor dem Rathaus unter der immer noch heissen Sonne. Die Bereitermusik sei mit den Pferden falsch abgebogen. Wir schwitzen in Umzugsformation unter der Sonne, und die Passanten schiessen munter Fotos, als ob es kein Morgen gäbe. Begleitet von leicht falsch tönender Musik der Berittenen, der ständigen Gefahr ausgesetzt, in Pferdeäpfel zu treten, und verfolgt von Kutsche und Festgesellschaft ziehen wir durch die untere Berner Altstadt (wobei wir den Grossteil der Zeit immer wieder mit Warten verbringen), bis wir schliesslich wieder bei der Zytglogge ankommen, und unter dem Kamera-Blitzgewitter der Asiatischen Touristen ins Kornhaus hinüber ziehen.

Dort endlich gibt es ein Apéro Riche. Wobei, eigentlich eher ein richtiges Abendessen vom Buffet. Wir hängen unsere Fahne an die Balustrade und gehen auf Bier- und Essenssuche (bzw. Polit auf den Heimweg). Die Galerie ist gestossen voll. So begeben wir uns auch nach dem Essen mit einem Bier nach oben an die frische Luft, wo viele der Aktiven gemütlich die Zeit bis zum Kommersbeginn um acht verbringen.

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Um acht dann geht es los. Alle sitzen an den langen Tischen und warten auf die Kommerseröffnung. Trotz vorgängiger Ankündigung, Grussworte am Kommers seien nicht erwünscht, finden diese trotzdem zahlreich und ausführlich statt. Zumindest die Geschenke sind unterhaltsam, so schenkt z.B. die Auroria ein graviertes Schneidebrett und Brotmesser, und die Utonia einen Klappstuhl für den FM. Währenddessen haben die spärlichen Rhenanen zusehends Mühe, das Silentium aufrechtzuerhalten. Zu einem ordentlichen Colloquium kommt es aber dennoch nicht allzu spät, und bis zum Schlusskantus um halb zwölf herrscht eine grossartige Fest- und Kneipstimmung.

Seraph macht sich nach aufmunterndem Zusprechen kurz nach elf auf den Heimweg, und wird morgen auf der Arbeit den Tag verfluchen, aber für mich geht es noch weiter. Zusammen mit den Hallerianern und den Bernanern enden wir auf der Bude der H! und kommen auf die grossartige Idee, im Vollwix in die Kubabar zu gehen. Zu meinem Schlaf kam ich erst um vier Uhr morgens im Zähringerhaus.