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Magnus, 11. bis 14. August 2016

Wir besingen die Stadt in so einigen unserer Lieder, und haben einen aktiven Heidelberger Wingolfiten, der unser Band trägt - trotzdem, von der gegenwärtigen Aktivitas war kaum jemand schon in der altehrwürdigen Studentenstadt. Um dies zu ändern, habe ich eine viertägige Reise organisiert, der sich schlussendlich neben mir noch Cincinnatus, Divina und Seraph anschlossen. Cincinnatus war an diesem Morgen allerdings nicht am Bahnhof Bern anzutreffen; er nahm den Zug direkt ab Zürich HB, wo er noch von Sapka G! mit einem Wegbier verabschiedet wurde - das ist doch ein guter Reisestart! Da er in Basel auch nicht in unseren Zug, der fünf Minuten nach seinem nach Heidelberg fuhr, umsteigen mochte, sassen wir also zu dritt im Bordbistro und liessen uns ein für Schweizer Verhältnisse sensationell günstiges Frühstück servieren. In Mannheim stiegen wir schliesslich zusammen mit Cinci in die S-Bahn nach Heidelberg, wo wir nach gut dreieinhalb Stunden Gesamtfahrzeit kurz vor dem Mittag eintrafen. Das "Abenteuer Heidelberg" konnte beginnen!

Tranquillo, "unser Mann in Heidelberg", brachte uns am Bahnhof auf den Bus. Bei der alten Brücke wurden wir dann vom Heidelberger Wingolf abgeholt, und durften mit unseren Koffern die 93 Stufen zum Haus geniessen. Wie heisst es so schön: erst die Arbeit, dann das Vergnügen, und oben angekommen, durften wir auf dem Balkon zu einem erfrischenden Bier die Aussicht auf die Altstadt und das Schloss begutachten. Diesen Aufstieg würden wir die nächsten Tage noch viele Male vor uns haben. Das Haus - oder eher: die Villa - lässt uns neidisch werden; so einen schönen Kneipsaal hätten wir auch gerne! Doch schon heisst es wieder "auf die Hinterpfoten", Tranquillo wartet im "Schnookeloch", einem alten Studentenlokal, fürs Mittagessen auf uns.

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Die Bilder und Dinge an den Wänden, aber auch die eingeritzten Namen und Zirkel in den Tischen erzählen von vergangenen Zeiten, in denen die Studenten in Couleur hier gekneipt haben. Von alten Zeiten zeugt auch einiges, was uns Tranquillo und René anschliessend auf der Stadtführung zeigen: die grosse Kirche mit der Gedenktafel des Wingolfs, die alten, unversehrten Häuser und nicht zuletzt natürlich der Karzer, der als Teil des Universitätsmuseums besichtigt werden kann; die gleiche Universität, die es ihren Studenten verbietet, mit Band und Couleur in die Uni zu gehen, verdient hier gutes Geld mit den Kritzeleien und Zeichnungen der Couleurstudenten im Karzer. Irgendwie daneben.

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Durch einen glücklichen Zufall treffen wir einen älteren Herrn, der uns im eigentlichen Gebäude der alten Uni nicht nur den wunderschönen, in Holz gehaltenen Saal erklärt, sondern auch den alten Karzer aufschliesst, den sonst nur wenige zu Gesicht bekommen. Hier, in diesen engen, feuchten, fensterlosen Zellen hatten es die Studenten definitiv nicht gemütlich, und gesund war das Klima auch nicht. Deshalb wurde der alte Karzer aufgrund von Protesten schlussendlich geschlossen, und durch den oben angesprochenen neuen ersetzt.

Derweil verlassen wir das Museum, und verbringen den Rest des gemütlichen Nachmittages draussen bei einem kühlen Bier. Der Spätnachmittag wird nur von einem bärtigen Hipster getrübt, der mir vor die Füsse spuckt. Auch hier also gibt es Idioten, die grundsätzlich alles hassen, was Band trägt! Nichtsdestotrotz gehen wir gemütlich über die alte Brücke zurück aufs Haus, wo wir bei ein paar Bieren gemütlich zusammensitzen. Abends um zehn kommen Cinci, Seraph und ich dann noch auf die grossartige Idee, Tranquillo aus dem Bett zu holen, um endlich das Abendessen nachzuholen. In seiner stoischen Ruhe schafft er es, uns in den Dönerladen und anschliessend mit Kebabs wieder hinauszubringen. Nach dieser Episode finden wir sogar wieder das Haus, wo mittlerweile zwei Berliner Wingolfiten an der Hausbar sitzen. Cinci und Seraph gehen zu diesem Zeitpunkt schlauerweise schlafen, während ich und Divina oben mit den Wingolfiten noch eine Streitigkeit vom Zaun brechen - sie weigern sich, vor den Augen einer Frau zu trinken, was wir mit diversen Bierstreiten beizulegen versuchen.

Am nächsten Morgen stehen wir um zehn mit schweren Köpfen auf, eine Dusche hilft aber schon ganz gut. Durch den leichten Nieselregen kämpfen wir uns in die Stadt hinunter. Da Tranquillo länger als gedacht arbeiten muss, entscheiden wir uns, schon einmal in den "Roten Ochsen", ein weiteres altes Studentenlokal, zu sitzen. Ein Blick in die Menukarte verrät uns, dass das eine gute Idee war. Angesichts des Wetters entscheiden wir uns, den Schlossaufstieg auf den nächsten Tag zu verschieben und stattdessen kurz einkaufen zu gehen, und bei Tranquillo zu Hause einen gemütlichen Nachmittag mit einem Kafi Luz zu verbringen.

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Zu viert - Divina ging für ihren Schönheitsschlaf aufs Wingolfshaus - sassen wir anschliessend bei Tranquillo in seiner tollen Dachwohnung, und spielten zu Chips und Kafi Luz einige Runden "Broforce" auf seiner PS4, was sich als äusserst amüsant herausstellte. Gegen Abend stand dann Divina wieder vor der Haustüre - Essenszeit! Tranquillo nahm uns zum "besten Pizza-Takeaway von Heidelberg" mit, wo wir selbst die Zutaten auswählen konnten, und die Wartezeit mit einem Bier vom Supermarkt verbrachten. Dies jedoch nicht ohne Zwischenfall Nummer zwei: beim Ausgang des Supermarkts finden es zwei halbstarke Möchtegerntypen in ihren schwarzen Pullis ganz krass, unserem Fuxen das Couleur vom Kopf zu nehmen und sich aufzusetzen. Das Bier des Einen landet daraufhin bei Seraphs Rückholaktion unsanft auf dem Boden. Leider sind Cinci und ich zu diesem Zeitpunkt beim Bankomaten und Tranquillo gerade mit Bezahlen fertig, so bleibt die Aktion zwar verlustlos, aber ungesühnt. Beim Pizzaessen auf der alten Brücke besserte sich die Laune jedoch schnell wieder, und wir machen uns auf den Weg an die für uns organisierte Ferienkneipe.

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An dieser mussten wir feststellen, dass es doch deutliche Unterschiede im Comment gibt: so werden beim Wingolf keine Quarten getrunken, und auch sonst sind die Regeln eher locker. Dafür lernten wir die Wechselpauke kennen - eine Art Rededuell - und die Bierspiele Hammerschmied und "Der Grieche". Bei Letzterem stellen sich drei Kontrahenten je mit einem Ganzen in eine Ecke, dass sie sich nicht sehen, und trinken auf Kommando. Wer mit der Restbiermenge anschliessend von allen dreien in der Mitte liegt, kann entscheiden, was mit den drei Restbieren passiert. Sie wurden gnädigerweise an diesem Abend mir geschenkt. Doch auch wir bekamen noch das Hohe, und so wurde unter der - leider recht kurzen - Ägide Cincinnatus' Zähringercomment gelebt. Zumindest bei den Zähringern. Die Gelegenheit zur Durchführung einer Blitzquart verpassten wir leider, aber so oder so hatten wohl einige mehr als genug, was der Zustand des... unsachgemäss verwendeten Pissoirs zeigte. An dieser Stelle einen Gruss an den Berliner Wingolf. Anschliessend an die Kneipe ging der Abend in den frühen Morgenstunden gemütlich und in Grüppchen zu Ende. Ein später Höhepunkt war für Cinci und mich definitiv die Vorführung und anschliessend gemeinsame Durchführung von Seraphs "Technik", um dem Unwohlsein nach vielen Bieren Herr zu werden.

Der Samstagmorgen war erstaunlicherweise deutlich weniger verkatert als der Morgen davor. Auch die Sonne zeigte sich wieder am blauen Himmel, und kurz vor dem Mittag machten wir uns auf den Weg zu Tranquillo, wo wir von zwei Spassvögeln noch um ein Foto mit uns gefragt wurden - ich hoffe, das zirkuliert nicht in den falschen Kreisen. Die Farben liessen wir gleich bei Tranquillo, denn auf dem Schloss und dem Aufstieg zu selbigem werde man angepöbelt. Bevor es aber an den Aufstieg ging, wurde gegessen, und zwar gleich um die Ecke beim "Hans im Glück". Davon können sich so einige Burgerrestaurants eine Scheibe abschneiden!

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Der Aufstieg zum Schlossgarten war zwar nicht allzu lang - zumindest für Schweizer Verhältnisse - dafür aber umso anstrengender. Dafür sorgte auch die erbarmungslose Sonne. Steil war der Weg übrigens tatsächlich. Dafür wurden wir oben trotz Renovationsarbeiten mit einer grossartigen Aussicht auf Altstadt, Neckar und Wingolfshaus belohnt. Während wir im hinteren Teil des Schlossgartens hauptsächlich auf Pokémon Go-Spieler trafen, wurden es zum Schloss hin immer mehr Touristen. Die Menge war erstaunlich. So beschränkten wir uns dann auch darauf, uns das Schloss von aussen anzusehen - den Besuch des grossen Fasses werde ich also ein anderes Mal nachholen müssen - und einen Blick in den Garten der letzten DB-Burschenschaft Heidelbergs zu werfen, die gleich daneben liegt; gut am Ergebnis der Farbbeutelwürfe erkennbar.

Für den Abstieg nahmen wir eine andere Route über eine Treppe. Treppen sahen wir in Heidelberg wirklich reichlich! Das Nachmittagsprogramm fand wieder bei Tranquillo statt, und entsprach ziemlich genau dem Vortag, mit dem Unterschied, dass gegen Abend noch etwas Möbelschleppen angesagt war. Nach einem Abendessen mit Fiesel, zu dem wir ihn einluden (und ich auch noch zu meinem leckeren Pfälzer Saumagen kam), entschieden wir uns, nochmal zurück aufs Haus zu gehen, insbesondere für eine Dusche nach diesem heissen Tag. Dass mir nach dieser Dusche auf dem Weg durch die Eingangshalle zwei verwirrte Studentinnen gegenüberstehen würden, hätte ich mir auch nicht ausmalen können. Hier solle eine Party stattfinden, aber es sei doch recht ruhig.

So waren wir dann, nachdem wir den Berliner Fuxen loswurden, beim gemütlichen "Abschiedsbier" in der Stadt und anschliessend auf dem Haus, zwei Personen mehr, und bis auf Cinci, der früh aufstehen musste, wurde es erneut ein sehr langer Abend, bei dem man nach den Gläsern Sekt und dem Melonenschnaps den Kater schon fast spüren konnte. Am nächsten Morgen musste Cincinnatus, kapputter Fahrleitung sei dank, ein Taxi nach Mannheim nehmen, um den Zug zum Flughafen zu erwischen; für ihn ging es weiter nach Irland. Wir genossen derweil nach einem zaghaften Mittagessen im Hinterhof des Schnookeloch die warme Nachmittagssonne auf der Wingolfsterrasse, bis es auch für uns kurz nach vier Uhr hiess, Abschied zu nehmen. Auch unsere Rückfahrt verlief aber nicht ganz reibungslos, die S-Bahn nach Mannheim hatte Verspätung, und der Schnellzug für Seraph und mich fuhr in Bern aufgrund von Bauarbeiten nicht. So wurde der Vorsatz, heute bestimmt kein Bier mehr zu trinken, über den Haufen geworfen. Auf dem Weg zum Coop trafen wir sogar noch Carolus Rex, der von seinem Wochenendausflug zurückkam. Nach ein paar Worten ging es dann mit S-Bahn und Bahnersatzbussen endlich nach Hause.

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