Daniel Ziltener v/o Magnus, FS 2016

Der Studentenrat der SUB - oder, komplett geschrieben: der StudentInnenrat der StudentInnenschaft der Universität Bern; ein Thema für sich. Die meisten Studenten bekommen kaum etwas mit, und wenn, dann dass er völlig unproduktiv sei. Das schlägt sich dann entsprechend auch in der Wahlbeteiligung nieder, die oft im einstelligen bis tiefen zweistelligen Prozentbereich liegt. Und an anderen Unis sieht es kaum besser aus. Das ist sehr schade, denn gegenüber der Uni ist es nicht sehr vorteilhaft, keine bessere Legitimation vorweisen zu können.
Dabei vertreiben wir uns die Zeit nicht nur mit ideologischen Grabenkämpfen, sondern tun durchaus Nützliches und Sinnvolles im Rahmen unserer Kompetenzen.

Das Organisieren zusätzlicher Mikrowellen und Wanduhren, der Einsatz für mehr Vorlesungs-Podcasts und die Abklärung, ob an der Uni "verdeckt" Rüstungsforschung betrieben wird, sind Beispiele aus diesem akademischen Jahr.

Doch wie läuft so ein Sessionsabend ab? Dazu möchte ich anhand der letzten Sitzung vom 12. Mai einen Einblick geben.

Kurz vor 18 Uhr trifft sich meine Fraktion, der Jungfreisinn, zur Fraktionssitzung. Wir besprechen die Traktanden, und eventuelle Änderungsanträge, damit wir wissen, was Sache ist. Nach und nach trudeln die anderen Räte ein.

Um 19:30 fängt die Ratssitzung an, deren Regeln übrigens mit kleinen Abweichungen denen des Nationalrates entsprechen. 29 Personen sind anwesend, wir sind beschlussfähig.
Der Vorstand, bestehend aus sieben Mitgliedern (mit je einem Ressort, "analog zum Bundesrat"), sowie die Ratspräsidentin und der Protokollar, sitzen vorne am langen Tisch, der Beamer läuft.
Die Stimmenzähler werden bestimmt, und das letzte Protokoll - nach kurzer, kontroverser Diskussion - genehmigt.

Die einzelnen Vorstandsmitglieder verlesen ihre Mitteilungen über ihre Ressorts, anschliessend die Kommissionen. Seit der letzten Sitzung ist nichts nennenswertes vorgefallen. Auch die Statutenänderungen der Fachschaften für klassische Philologie, Kunstgeschichte sowie Geographie werden durchgewunken - "der Text ist gendergerecht, deshalb empfehle ich, die Änderungen anzunehmen".

Zwei Mitglieder von Fachschaften sind zudem anwesend - sie haben Studienreisen, für die sie Beiträge aus dem Fachschaftsfonds der SUB beantragen, zusammen insgesamt 8'000 Franken, und stellen die beiden Projekte vor - eine Kunstgeschichtlerreise nach London, und eine der Hydrologen durch die USA. Beides wird mit grosser Mehrheit für unterstützungswürdig befunden und genehmigt.

Als Nächstes ist die Jahresrechnung an der Reihe. Auch hier ist es mehr ein zur-Kenntnis-nehmen: alle Posten sind wie geplant, der Gewinn wird, nach einem Änderungsantrag, für Rückstellungen und den soeben "angezapften" Fonds verwendet, desweiteren für "GasthörerInnenscheine", was sich nach kurzer Onlinerecherche als Projekt für Flüchtlinge herausstellt, um diesen Studium und Mentoring zu ermöglichen.

Etwas kontrovers wird es beim nächsten Traktandum: den Kommissionswahlen. Zu diskutieren geben insbesondere die Wahlen für die Vertretung in der Universitären Rekurskommission, und den Ersatzposten in der Rats-GPK.
Für die Rekurskommission hat Links wie Rechts ihre eigenen Vorstellungen, inklusive eigenen Kandidaten. Vor dieser Kommission der Universität steht man, wenn man auf ein Prüfungsresultat Rekurs erhebt. Während der Kandidat der Ratsrechten dafür plädiert, in der Kommission neutral zu bleiben, vertritt die Gegenkandidatin die Ansicht, "mit allen Mitteln" den rekurrierenden Studenten zu unterstützen. Dies, zusammen mit der Unterstützung der Jus-Fakultät, gibt nach eingehender Diskussion den eindeutigen Ausschlag zugunsten Letzterer.

Bei der anschliessenden Wahl für die GPK dreht sich die Situation, der kandidierende Jura-Student wird, auch dank für uns günstiger Aussage vom Ratspräsidium, dem Juso-Mitglied vorgezogen; für die anstehenden Überarbeitungen der Reglemente sei es gut, einen ebensolchen in der Kommission zu haben.

In der anschliessenden Ratspause habe ich dann Gelegenheit, Feedback für die Anliegen meiner Fachschaft zu sammeln und zu diskutieren - bei uns ist noch keine Mikrowelle angekommen, und eine Mitgliederliste haben wir auch keine.

So richtig kontrovers wird es aber erst jetzt, nach der Pause. Im SUB-Vorstand gilt seit einiger Zeit eine Frauenquote von 40%, und mindestens ein Mitglied muss ein Mann sein. Der jetztige Vorstoss möchte die Frauen- in eine Geschlechterquote umwandeln und schlägt drei Varianten vor: je 40% pro Geschlecht, je 20% pro Geschlecht, oder je ein Mann und eine Frau. Hier endete dann leider jegliche Sachlichkeit. Vom auf-den-Tisch-hauen mit der Bemerkung "jetzt wollen die schon wieder die Quote abschaffen!", bis zu handfesten Beleidigungen und an Rassismus grenzenden Voten hört man alles, aber das erspare ich der Leserschaft lieber. Trotz intelligenterweise festgesetzter Redezeitbeschränkung auf eine Minute dauert die Schlacht der Wörter eine knappe Stunde. Kaum erwähnenswert, dass die Vorlage haushoch verworfen, und in Konsequenz auch einige Traktanden heute das Nachsehen haben.

Quoten und Anträge zu "frauenexklusiven Aktionen" wie das Womentoring sind Themen, die immer wieder aufkommen, chancenlos sind, aber trotzdem so ideologisch inbrünstig, im Kreise drehend totdiskutiert werden - wer möchte sich denn schon die Blösse gehen und kampflos aufgeben? - dass man sie, obwohl man sie gewissermassen als Gelegenheit, den rhetorischen Zweihänder mal wieder abzustauben und dem Gegner "ans Bein zu pinkeln", freudig erwartet, doch irgendwie nicht mehr sehen kann; und ich bin mir sicher, dass das für fast alle Ratsmitglieder, und ironischerweise gerade auch für diejenigen, die inbrünstig mitkämpfen (ich inklusive) gilt.

Trotzdem kommt noch ein letztes Traktandum auf den Tisch: den Ausbau der direkten Demokratie. Die Referendumsmöglichkeiten der Studenten sollen deutlich ausgebaut werden. Auch hier gibt es wieder eine Diskussion, mangels Ideologie aber eine deutlich sachlichere und, angesichts der fortgeschrittenen Stunde, eine deutlich kürzere. Diese Vorlage wird deutlich angenommen - wohl auch dank des erfolgreichen Referendums gegen den Austritt der Basler SKUBA aus dem Dachverband VSS.

So verlassen kurz vor 23 Uhr Rat und Vorstand immer noch aufgewühlt den Raum F-121 der Uni Tobler, sich auf den Heimweg zu machen und Pressemitteilungen zu schreiben - so früh wie noch nie, seit ich zu Beginn des akademischen Jahres im Rat sitze.

So möchte ich denn abschliessen mit einer Bitte: geht an den Uniratswahlen wählen. Und wendet euch mit euren Sorgen und Anliegen an "eure" Fraktion. Wir müssen wissen, was ihr wollt, dann können wir auch etwas bewegen, was euer Studileben besser macht. Sei es in Bern, sei es in Basel, Zürich oder Lausanne.