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Die letzten beiden Titelblätter des "Kiesels" waren mit Werbung dafür geziert, die Einladungen an alle Falkensteiner verschickt worden, die Bundeschargierten hatten das dreitägige Ereignis bis ins letzte Detail geplant, der Fuxenstall mit Unterstützung aus dem Salon das Haus auf Hochglanz poliert: das Falkensteiner Bundesfest 2015 kann beginnen!

Doch bevor es soweit ist, treffe ich mich kurz nach Freitagmittag mit Cincinnatus, nicht nur um die letzten Reste der Haus-Aufräumaktion zu entsorgen, sondern auch um die Abendverpflegung beim Metzger abzuholen, eine Hundertschaft Brötchen und Würstchen sowie eine Hotdog-Maschine; denn hungrig soll am heutigen Aktivenabend keiner der über 30 Besucher am Tisch sitzen. À propos sitzen, die Sitzordnung muss ja auch noch erstellt werden! Mit vereintem Einsatz gelingt es dann bis kurz vor sechs, das altbewährte Hufeisen - diesmal mit dem altehrwürdigen Stammtisch am Kopfende - aufzustellen und jeden Platz mit Stuhl, Bierdeckel und Bierglas auszustatten. Insbesondere letzteres stellt sich als nicht ganz selbstverständliche Leistung heraus.

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Wer kennt es nicht - auch heute schlägt leider Murphy wieder zu, und um genau 6 Uhr sind wir erst eine doch recht kleine Runde. Die Valdésia verspätet sich, und auch das Schwizerhüsli kommt aufgrund einer natürlich genau jetzt auftretenden Stellwerkstörung um unbestimmte Zeit zu spät - danke, SBB! Immerhin ist eine beschauliche Anzahl Zähringer und die wackere Fünfergruppe Darmstädter Wingolfiten - ihre Verbindung hat den Vorsitz im Wingolfsbund - anwesend, und so feiert es sich bereits recht ansehnlich.

Gegen 8 Uhr sind wir dann auch endlich komplett, sogar ein paar AH haben erfreulicherweise zu diesem Aktivenabend gefunden. Gemütliche Stimmung macht sich breit zwischen den Biergläsern und Tabakswolken. Die anwesenden Füxe Desperado und ich werden zum Würstchenaufwärmen abkommandiert. Natürlich goûtieren wir diese einem Fuxen gegenüber völlig respektlose Behandlung überhaupt nicht, und hinter dem schützenden Vorhang fällt gegenüber der ein oder anderen Bitte der Corona auch eine entsprechend revoltierende Bemerkung unsererseits (die ich hier nicht wortgetreu wiedergeben kann).
Wie dem auch sei, letzten Endes sind die Hotdogs mit ein wenig Verspätung fertig, und auch die Röstzwiebeln dazu finden reissenden Absatz. Der Abend ist gerettet!

Während sich ab etwa 11 Uhr die Runde etwas lichtet, wird noch das Trinkhorn für einen Rundgesang hervorgeholt. Die Befürchtung, es würde nicht einmal für eine Runde reichen, wurde durch beherztes Nachschenken der Wingolfiten im Horn ertränkt, und so ertönten während gut 10 Minuten bekannte und weniger bekannte Kanten durch unser ehrwürdiges Gemäuer. Gekrönt wird das Ganze von zwei schönen Mitternachtstraditionen: unserem "La Messe" sowie dem "Clausthaler Mitternachtsschrei" der Wingolfiten mit den Fakultätsstrophen.

Mayobrötchen mit Röstzwiebeln und dem Unterhaltungsfaktor der Valdésia sei dank (O-Ton Carolus Rex: "Die Valdésia ist wie eine 'Party in a Box'!") schaffen es die meisten verbleibenden Anwesenden nun auch, bis um halb fünf in gemütlicher feidulitas-Stimmung an den Tischen zu bleiben, um anschliessend ihre Schlafplätze aufzusuchen.

Der Salon war wohl noch nie so voll - zu den Stammgästen Desperado und mir gesellen sich nicht nur die 5 Wingolfiten, sondern auch ein Carolinger und ein Glanzenburger. Entsprechend kommt fast Klassenlager-Stimmung auf, insbesondere nach dem Aufstehen zu den Sprüchen von Coco (nüchtern ist der bestimmt noch nicht). Die Wingolfiten bestimmen dann flugs, dass sie jetzt Schweizerdeutsch reden können, indem sie an jedes Nomen ein "li" hängen und die Sätze mit "oder?" abschliessen. Nach dem Verzehr meines "Katerfrühstücks" muss ich dann aber leider schon los, da mich Yolo zum Arbeiten "verdonnert" hat, und kann so also nichts berichten über das Mittagessen und die nachmittägliche Stadtführung. Dies hat für uns Cincinnatus nachgeholt:

Angeschlossen an den Aktivenabend wird am Samstag mit dem Mittagessen, welches ausserordentlich gut besucht ist für einen Nebenprogrammpunkt. Man überbrückt den Kater vom Vorabend mit einer guter Dosis Bier und Wein, welche auch den anschliessenden Delegiertnconvent schnell über die Bühne bringen lässt. Während die Delegierten nämlich ordentlich am «Chrampfen» sind, können es sich die anderen Bundesbrüder gut gehen lassen. Sie können gemütlich für weitere Getränke sitzen bleiben und den schönen Samstagnachmittag in Bern geniessen. Gegen 15:30 Uhr starten am Chindlifresserbrunnen die organisierten Stadtführungen. Eine Führung behandelt den Einfall der Franzosen in Bern, während sich die andere Führung den Bordellen der Stadt Bern widmet. Für alle Nachzügler des Bundesfestes ist in der Zwischenzeit im Zähringerkeller eine Bierstation eingerichtet worden. So treffen sich nach und nach mehr Falkensteiner im Zähringerkeller um sich für die Cortège vorzubereiten.

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Kurz nach fünf bin ich dann jedoch wieder zurück im Zähringerhaus, und nach einer wohlverdienten Dusche räume ich erstmal leicht gereizt das ganze Stiefelabteil des Wixschrankes aus. Wieso haben wir so viele Stiefel, die zu klein oder kaputt sind, oder über kein Gegenstück verfügen (*hust* Wixwart *hust*)? Schliesslich finde ich aber ein Paar, das ich auch flugs anschreibe. So stehe ich kurz darauf mit unserer Fahne bei den anderen Fahnenchargierten draussen vor dem Haus, wo sich die ganze Festgesellschaft zur Cortége Richtung Restaurant Zunft zu Webern aufmacht. Leider ohne Umweg via Zähringerbrunnen, aber auch so eine schöne Aktion, die die Passanten mit Staunen und Fotografieren quittierten. Nur die Passanten, die beim Rathaus auf den Bus warten, der gerade hinter unserer Gruppenfoto-Aufstellung auftaucht, sind irgendwie etwas unzufrieden.

So stellen wir dann um halb sieben unsere Fahnen im Zunftsaal auf und wenden uns dem Apéro zu, inklusive wohlverdientem Bier. Der Commers ist gut besucht, von den Schwesterverbindungen und vom Wingolf sind viele Bundesbrüder da, welche den Anlass mit uns verbringen und die Zähringia so aufs Äusserste ehren; selbst von der Carolingia ist nicht nur Coco gekommen. Wir können nur hoffen, dass die Bundesfeste in Zukunft weiter so gut, oder sogar besser, besucht sein werden.

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Nachdem alle inklusive Bundeskommission Platz genommen haben, geht es auch schon los mit Vorspeise, und gleich weiter mit dem Hauptgang. Bevor wir uns dem Dessert zuwenden können, ist es aber zuerst Zeit für den hochoffiziellen Teil des Commerses: kein Aufstehen mehr ausser für Wortmeldungen! Die Bundeskommission und die anwesenden Verbindungen überbringen ihre Grussworte, gefolgt vom jeweiligen Couleurkantus. Der Darmstädter Wingolf bedankt sich für die Gastfreundschaft und überbringt ebenfalls die besten Grüsse, beides noch in Form eines schicken Trinkstiefels (oder, wie sie wohl sagen würden, "Trinkstiefeli, oder?").

Nach dem Commers gibt es dann noch ein wohlverdientes Dessert mit frischen Brezeln als Bonus, Zipfel werden getauscht, und schliesslich, bevor wir zurück ins Heim verschieben, wird der Programmpunkt in der Zunft pünktlich um Mitternacht mit "La Messe" abgeschlossen.

Zurück im Heim inszenieren Desperado und ich den grossen Fuxenaufstand: trotz Protest seitens Contra ziehen, schieben und hebeln wir an den Tischen herum und errichten eine Hochkneipe. Ein paar Wingolfiten inklusive Tranquillo schliessen sich unserer Hochkneipe an, während der Rest der Corona leicht verwirrt an den restlichen Tischen unten sitzen bleibt. Etwas mehr als eine Stunde später allerdings geben wir unsere Fuxenmonarchie schon wieder auf (und überlassen sie dem Wingolf), um mit Coco im Schlepptau noch einen Abstecher in die Stadt zu machen, bevor wir uns hinlegen. Auch unser Spefux Nic macht an diesem Abend Bekanntschaft mit dem Übernachten im Zähringerhaus.

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Sonntagmorgen ist dann definitiv der Moment, an dem wohl jeder der am Vorabend Beteiligten mit Kopfweh und trockener Kehle aufwacht. Glücklicherweise aber hat die Bundeskommission auch daran gedacht, und uns im Restaurant Marzilibrücke trotz widrigen Umständen (den versprochenen Saal durften wir dann plötzlich doch nicht haben) ein tolles Katerfrühstück zu reservieren, mit allem, was dazugehört: nicht nur Heissgetränke, Brot und Zubehör, sondern auch Rührei, Würstchen, Rösti, gebackene Tomaten, Pancakes, und überhaupt fast alles. Kein Wunder, tauchten (zur Verwunderung der anderen Gäste) 25 Couleuriker auf! Was aber bestimmt auch noch damit zu tun hatte, dass der Brunch komplett von der Zähringia übernommen wurde.

Nach dem Brunch heisst es dann Abschied nehmen. Zuerst von den anderen Falkensteinern, und nach dem Packen im Zähringerhaus auch von den Darmstädter Wingolfiten. Unter grossem Trara tauscht man Kontaktinfos aus und verspricht, in Kontakt zu bleiben. Uns Zähringern bleibt darauf nichts weiter, als mit einer grossen Putzaktion und - immer noch kaputte Abwaschmaschine sei dank - mit dem grossen Abwasch zu beginnen.

In gemütlicher Runde lassen wir den Nachmittag schliesslich ausklingen, und kommen zum Schluss: es war halt schon ein tolles Fest, nicht nur weil alles vollgewest! Wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Fest im Oktober 2016 am traditionellen Festort Neu-Falkenstein in Balsthal!

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