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Matthias Hohmann v/o Tranquillo

Am frühen Donnerstagmorgen des 24. Septembers machten sich drei Zähringer, Cinncinatus, Magnus und ich, Tranquillo, auf den weiten Weg nach Zürich, um uns dem Herbstreisli 2015 der Carolingia anzuschließen. Bereits um kurz nach 8 Uhr morgens war das Treffen im Zürcher Bahnhof vereinbart. Dies bedeutete eine entsprechend frühere Abfahrt für Cinncinatus und mich aus Bern. Die ohnehin kurze Nacht wurde noch deutlich kürzer, da wir beide am Vorabend noch an unserem feuchtfröhlichen Stamm in Bern teilgenommen hatten. Auch Magnus konnte nicht sehr lange schlafen, denn er stieß aus Biel direkt zu uns.

Mit entsprechend kleinen Augen zogen wir dann nach einem kurzen gegenseitigen Vorstellen gemeinsam los gen Luzern. Bereits bald wandelte sich die Kulisse von Zürcher Straßenzügen zum Grün der Wiesen und Wälder. Getreu dem Motto „Wo Wirtshausschilder blitzen, da wird eingekehrt“ machten wir alsbald erste Rast. Hierbei bekamen wir jedoch nicht nur eine Stange in die Handgedrückt, sondern auch den Reisliprügel, der neben Liedgut auch die (durchaus unterhaltsamen) Statuten der Marschbrigade 13 enthielt. Für die erstmaligen Teilnehmer erfolgte nun die Erklärung, um was es sich den hierbei überhaupt handelt. Wir erfuhren, dass das Herbstreisli nicht offiziell von der Carolingia ausgerichtet wird, sondern von eben dieser Marschbrigade 13. Dieser steht der Carolinger Monza als Kommandant vor. Monza hat auch gleich das Vergnügen den Leistungsstand der einzelnen Marschbrigadisten zu verkünden. Von Zähringerseite fand hier Cinncinatus mit einigen Leistungskilometern Erwähnung, der bereits am letzten Reisli teilnahm.

Gut gestärkt mit Bier und Hintergrundinformationen ging es nun an die ersten Höhenmeter zu überwinden. Zunächst ging es steil den Üetliberg bergauf, dann, nach einer kurzen Verweilpause, um den Ausblick und einen Gipfelschnaps zu genießen, ging es entlang des Berggrates in Richtung Felsenegg. Bei Sonnenschein und nur wenigen Wolken konnten wir dort bei einem deftigen Mittagessen die Aussicht über Stadt, See und Berge genießen. Bevor wir dann zum Weitermarsch ansetzten gönnte uns das Reisli eine erholsame Verdauungspause auf den saftig grünen Berghängen. Während Cinncinatus dort in stolzer auenländischer Manier ein Pfeifchen genoss, erklang zum ersten Mal der Cantus, der sich über die folgenden Tage als Ohrwurm der Marschbrigadisten entwickelten sollte: das Lied von „Erika“, dem Heideblümlein.

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Gut erholt und frischen Mutes brachen wir dann wieder auf. An der nächsten nachmittäglichen Rast im Wirtshaus kredenzen wir sodann erstmals das „Gedeck“ der Marschbrigade 13. Bald schon verstanden auch Magnus und ich, warum dieses von der Marschbrigade beinahe als magisches Ritual verklärt wurde: Das Gedeck besteht, entsprechend § 10 der Statuten der Marschbrigade, aus einer kühlen Stange, einem heißen Kaffee Zwetschenluz und einen Appenzeller. Während der Appenzeller mit seinen vielen gesunden Kräuter jedes Wehwehchen heilt, so wärmt und weckt der Zwetschgenluz den Körper von innen auf. Über die Notwendigkeit des begleitenden Genusses des Bieres besteht dabei ohnehin kein Zweifel.

Mit dieser Stärkung intus ließen es sich einige furchtlose Marschbrigadisten nicht nehmen ein erfrischendes Bad im Türlersee zu nehmen. Die Übrigen nutzen die Zeit ebenso sinnvoll und genossen gleich ein zweites Gedeck. Dementsprechend leicht lief sich der Rest der Tagesroute dann bis Affoltern am Albis. Nach einer kurzen Pause im Hotel endete der Abend dann gemütlich bei leckeren Cordon Bleus, einigen Bieren und natürlich Gesang in gemütlicher Runde.

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Damit war auch der Rhythmus für den Freitag und Samstag gesetzt. Morgens brachen wir immer bereits gegen 8 Uhr nach reichhaltigem Frühstück auf. Dann wurden im Frühnebel gewandert, bis wir in urigen Gaststätten die Wirte damit erstaunen konnten, dass Stangen und Appenzeller auch vormittags schon schmecken können. Mittags gab es dann deftiges Essen und nachmittags wurde weiter gut Meter gemacht, lediglich unterbrochen durch die durch das Blitzen von Wirtshausschildern notwendigen Pausen. Magnus und mir bereiteten zunehmenden die Füße ein wenig sorgen, doch die gutausgestattete Marschbrigade konnte mit Pflastern aushelfen, so dass wir Samstagsabend erschöpft, aber glücklich und „Erika“-singend in unserer letzten Übernachtungsunterkunft vor Luzern ankamen. Der Wirt begrüßte uns mit einem kleinen Apéro vor dem Haus, verlangte aber im Gegenzug dafür, dass noch ein Lied gesungen werde. Diesen Gefallen taten wir ihm natürlich gerne.

Es sollte auch nicht bei einem einzigen Cantus an diesem Abend bleiben, denn nach der durchzuführenden GV der Marschbrigade 13, begann der Abschlussabend des Herbstreislis. Dieser vollzog sich dergestalt, dass das leckere und stilvolle Abendessen fließend in ein Offizium überging und dann, nach dem Singen von La Messe um Mitternacht vor dem Wirtshaus, der Abend im Inoffiz ausklang. Bemerkenswert war insbesondere die vom Vater Monzas, Farbenbruder Torro, gehaltene Rede darüber, wie er mit seinen Söhnen im Kindesalter regelmäßig wandern ging und somit den Grundstein für die Tradition des Reislis geschaffen hatte. Höhepunkt aus Sicht der Zähringia war außerdem die offizielle Aufnahme von Cinncinatus in die Marschbrigade 13.

Am Sonntag begann dann bedingt durch den Vorabend die letzte Etappe nach Luzern erst um kurz nach 9 Uhr morgens. Im straffen Tempo legten wir die Tour zum Mittagessen derart schnell ab, so dass wir bereits eine Stunde früher als geplant eintrafen. Dieser Umstand ließ sich jedoch glücklich bewältigen, da die Zeit für Bier und Gespräche bestens genutzt werden konnte. Bestens gestärkt durch eine ordentliche Portion Tartar begaben wir uns dann auf das letzte Stück des Reislis. Gegen 15 Uhr erreichten wir dann das Ufer des Vierwaldstätter Sees. Den Ausblick genossen wir nur kurz, denn wir genossen ein letztes Mal die Anziehungskraft der blitzenden Wirthausschilder. In einer kleinen, aber gemütlichen Eckkneipe erklang dann zum vorersten letzten Mal der Ruf nach Bier, Appenzeller und Zwetschgenluz. Wir alle genossen noch einmal die Gemütlichkeit des Zusammensitzens, bevor ein jeder wieder nach Hause aufbrach.

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