Eine wissenschaftlich fundierte Analyse von Daniel Ziltener v/o Magnus

Es ist der 11. September 2015, der Freitag vor Semesteranfang, und wie immer findet heute der "Tag des Studienbeginns" statt; und parallel dazu in der UniS der "Campus der Gruppierungen". Natürlich fehlen auch die Studentenverbindungen nicht, die wie immer die hinterste Reihe erhalten. Man kann die Abneigung der Uni gegenüber uns Verbindungen förmlich riechen. Und zu allem Überfluss auch das noch: Alkoholverbot! Prohibition!

Eigentlich merkt man zu Beginn gar nichts. Die Stände sind eingerichtet wie immer, und bei der Zähringia ist der Wettbewerb "wie schwer ist unsere Harasse Felsenau-Bier?" der Renner. Bloss: der erste Aufreger, durch das Verbot gegeben, können wir prinzipbedingt nicht ertränken, und dieses Jahr wird auch der Wettbewerb nicht schwieriger, je später es wird; denn der Hausdienst meint es ernst. Der Überwachungswahn hat die Uni erreicht, es wird patrouilliert! "Was macht das Bier da? Das dürfen Sie nicht hier haben!" - nun, den Wettbewerb würden wir doch gerne noch bis zum bitteren Ende durchführen... - "Ich werde am Ende nocheinmal vorbeikommen und nachsehen, dass das Siegel an den Flaschen noch intakt ist!". Also: einen Punkt für den Alkohol!

Auf Nachfrage wird auch nicht wirklich mit einem Grund herausgerückt. Vermutlich passt es nicht mehr ins gute Image der Uni Bern, dass sich Studenten am TdS gerne tagsüber in einer geselligen Runde ein paar Biere gönnen, und am frühen Nachmittag guten Mutes von dannen ziehen. Gottseidank wird aber nicht überall so kritisch kontrolliert, und beim Flyern vor dem Hauptgebäude treffen wir ein paar Berchtolder, die uns einen Becher Weissen anbieten. So kommt dann, eine Stunde verspätet, doch noch ein Bisschen Stimmung auf, und das Flyern bei den gestressten potentiellen Fuxen geht etwas lockerer von der Hand - "Hey Zäme! Mir hei hüt Nomi am 5i e Grillparty, u dir sit iiglade!". Auch hier punktet der Promillelieferant.

Fenrir entscheidet sich dann spontan, sich die 45-minütige Einführungsveranstaltung anzusehen - auf so eine Schnapsidee kann man doch nur nüchtern kommen... dass es aber in ebendiesem Zustand nicht auszuhalten sei, bestätigt er uns direkt nach Ende. Hier hat die Nüchternheit eine eigentlich nötige "öffentliche" Schelte an die Adresse der sogenannten "Gleichberechtigungsbeauftragen" (Studiengänge mit 80% Frauen sind ein Musterbeispiel für Gleichberechtigung, mit der Hälfte ist es eine systematische Frauenbenachteiligung) leider verhindert - dritter Punkt für den Gerstensaft.

Nach zwölf ist dann die letzte Veranstaltung im HG fertig, und wir sind wieder alle an unserem Stand. Die fast drei Stunden Werben machen sich langsam bemerkbar. Die Motivation hält sich gerade so, denn wir wollen doch noch einige Neulinge für die Teilnahme am Wettbewerb gewinnen. Um halb zwei aber packen wir unsere Sachen zusammen, und müssen auch die volle Bierharasse wieder mit in den Bus schleppen. Ohne Verbot wäre das nicht passiert, vierter Punkt!

Zurück im Heim gilt es, die Zeit bis fünf Uhr zu überbrücken, in der Hoffnung, all jene in Empfang zu nehmen, die bei Flyererhalt "Wow danke, tönt cool!" gesagt haben. Immerhin gibt es jetzt ein erstes Bier, trotzdem löst sich unsere Gruppe zwecks Organisation von Essen und dem persönlichen Wohlbefinden bis kurz davor auf. Beim Einkaufen im Marktgassmigros werden Erinnerungen an das Vorjahr wach, und, ja, hier muss man eingestehen: nüchtern geht das doch etwas unkomplizierter vor sich. Ein Ehrenpunkt für das Verbot.

Kurz vor Fünf dann findet dank meinem Wacheschieben unser Keilmöbel den Weg ins Zähringerhaus. Begleitet von Erklärungen nimmt der erste Teil des Abends auf der Terrasse seinen Lauf, mit dem Bier in den Gläsern und dem Fleisch auf dem Grill. Eine Wohltat nach diesem langen Tag! Auch eine Verlegung des Grüppchens in den Saal und ein Rundgesang mit dem Stiefel stehen an, und als nach über 6 Stunden der Stamm endet, zieht man für ein, zwei weitere noch in die Stadt. Zufrieden sitzen wir bei unserem Letzten Bier und kommen zum Schluss: es war ein guter Abend! Und das Bier erhält den verdienten, fünften und letzten Punkt. Prost!

Fazit: liebe Universität Bern, wir Zähringer hoffen, mit dieser Analyse einen wertvollen Beitrag zur internen Diskussion zu liefern, und euch möglicherweise damit zum Umdenken und zur Abkehr von der Prohibition bewegen zu können.