Eisenach 3
Vor der Wartburg. Mehr Fotos gibt's hier

Daniel Ziltener v/o Magnus

DAS Grossereignis des Wingolfs steht wieder an, und der Falkensteiner Bund ist natürlich wie immer eingeladen. Das lässt sich die Zähringia nicht entgehen! Besser gesagt, zumindest ein Teil nicht. Donnerstag Morgen kurz nach acht treffen sich Cincinnatus, Carolus Rex und Magnus, besser bekannt als "die Verwegenen", beim Zähringerhaus, um das Chargiermaterial einzuladen: Fläuse, Hosen, Stiefel, Schläger, Banner... schlussendlich stellt es sich schon fast als Glücksfall heraus, sind wir nicht zu viert - nebst Gepäck und Fahnenstange wäre es eine recht ungemütliche Fahrt geworden.

 Kurz nach halb neun fahren wir dann auch los, in Richtung Eisenach, ans Wartburgfest! Nach dem unfreiwilligen Besuch diverser LKW-Parkplätze und dem gewollten Besuch einer Raststätte kommen wir kurz nach zwei Uhr in einem Städtchen an. An einer Ampel werden wir von Couleurikern angehupt - aha, Eisenach! Unser Ziel ist eine gewisse Villa Anna. Wir landen in einem Boutique Hotel Anna, wo wir an der Rezeption ziemlich verdutzt angeschaut werden und man von einer Reservation nichts weiss. Nach einigen Minuten allgemeiner Verwirrung stellt sich heraus, dass es noch eine andere Villa Anna gibt, am anderen Ende des Städtchens. Nach einem kurzen Abstecher in das Hotel Haus Hainstein stehen wir endlich vor der richtigen Villa Anna. Den Vermieter müssen wir allerdings erst noch kontaktieren für die Schlüsselübergabe vor Ort.. Und genau jetzt macht Cincinnatus' Handyakku schlapp! Das sollte aber noch nicht der letzte Schockmoment des Tages sein. Der Vermieter zeigt uns die herrschaftlichen Räume, die gefühlte 5 Sterne mehr haben als im ursprünglichen Inserat, Inklusive Blick auf das Burschenschaftsdenkmal ("Ihre Kollegen sind da kürzlich hochmarschiert" - "Nein, wir sind keine Burschenschafter!"). Wir sind uns nicht sicher , ob der Übernachtungspreis (40 € pro Person und pro Nacht) nicht doch nur eine Anzahlung sei („Nein das stimmt schon so, mein Schwiegervater war auch Burschenschafter“).

Eisenach 1

Doch auch das ist geschafft, und einige Minuten und tausend Flüche später sind wir im Vollwix gehetzten Schrittes unterwegs auf die Wartburg. Zum Glück liegt unsere Unterkunft bereits auf dem halben Weg dorthin! Diesmal warten auch keine Linksextremen im Wald darauf, uns anzupöbeln. Nach der schlussendlich doch ausgiebigen Wartezeit, bei der wir noch Credo und Pascha sowie die Carolingia treffen, marschiert dann Delegation auf Delegation in den Innenhof der Wartburg, und es erklingt das Wingolfslied. Die Deutschen Burschenschaft, so erfahren wir, dürfe keinen Aufzug auf die Wartburg mehr veranstalten, so die Wartburgstiftung - man weiss, wieso.

Auf dem Rückweg begleitet uns dann Credo (O-Ton Cincinnatus: "So, Herr Pfarrer!"), und nach einem Umweg durch unsere Villa landen wir schliesslich im leicht (sprich: Schwer) überfüllten Storchennest zum Abendessen. Auch ich habe dann schliesslich nach zwei Stunden mein Essen bekommen, wie's der Zufall will genau zum "Graf von Rüdesheim" - dafür aber immerhin gratis ("Jaja, das haben wir bei der Bestellung bezahlt. Vor zwei Stunden!"). Um Mitternacht gehen wir dann auf den Marktplatz - zum "Clausthaler Mitternachtsschrei" des Clausthaler Wingolfs. Zur Melodie des Steigerlieds sollen Fakultätsstrophen gesungen werden - dies geht in der Masse leider ziemlich unter, und die Menge löst sich recht schnell wieder auf. Auch wir machen uns, etwas wankend, auf den Heimweg in unser trautes neues Zuhause.

Wir spulen vor auf den 15. Mai, morgens um 8:30. Schon bin ich wach, zwar noch müde, aber wach. Ein feines Pieksen im Hinterkopf erinnert mich an die etwas grössere Biermenge vom Vorabend. Cincinnatus und Carolus Rex teilen meine Begeisterung fürs Aufstehen allerdings nicht. Eine Viertelstunde später stehe ich im Tegut-Laden, um Frühstück zu kaufen, und nach kurzen Kommunikationsproblemen sitzen wir im Esssaal zum wohl besten Frühstück, das ein Zähringer je hatte! Ich taufe es dann auch flugs auf den Namen "Zähringerfrühstück": ein anständiges Stück Brot mit Butter und Philadelphia bestrichen, eine Scheibe Cheddar-Käse und mikrowellengebratene Speckstreifen, eine Scheibe Kochschinken, und über das Ganze noch ein Spiegelei!

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Den Tag haben wir hauptsächlich damit verbracht, zum Burschenschaftsdenkmal zu "marschieren" und die schöne Aussicht zu geniessen. Der Aufseher an der Kasse hat uns am anschliessenden kurzen Film den anderen Besuchern als "von einer Schweizer Burschenschaft" vorgestellt, was wir natürlich vehement richtigstellten! Ist es denn so schwierig?

Nach einem kurzen Abstecher durch den Wald und am ehemaligen Bischofsschloss sowie dem Wingolfs-Denkmal vorbei landen wir auch schon wieder im Storchennest, wo wir uns das nächste Bier gönnen. Der Kieler Wingolf ist so gnädig und lädt uns ein - obwohl ich kein Hemd trage, wie einer anmerkt - uns zu ihnen zu setzen - am Nebentisch. Macht nichts, wir können uns auch selbst unterhalten. Bloss einmal noch steht einer auf, glotzt mich angestrengt an und meint: "Ja, sollte passen". Was genau passen soll, erfahren wir erst, als wir nach unserem Bier gehen wollen. "Hey, wartet! Wir haben einen Botenfuxen losgeschickt, um ihm ein Hemd zu kaufen!"

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Wir machen uns trotzdem kopfschüttelnd auf den Weg, um uns für den Commers vorzubereiten. Nach einem weiteren Bier machen wir uns dann auch zusammen mit der Carolingia auf zur "Werner-Aßmann-Halle". Abgesehen von einem Hartz-IV-Typen, der uns aus seinem Auto "Sieg Heil!" zurief und einem Rentner der uns lässig fragte "Na, seid ihr auch für die Einigkeit von Deutschland?" blieb alles ohne Zwischenfall. Vor der Halle stiess dann noch Tranquillo zu uns. Nach dem Einmarsch in die Halle nahm dann der arme Carolus Rex auf der Tribüne platz, und hoffte gemeinsam mit allen Chargierten auf ein baldiges Ende des Commerses (Während des ca. 4-stündigen Commers dürfen die Chargiereten ihre Plätze nicht verlassen).

Neben eher langatmigen Grussworten des aktuellen Wingolfspräsidents, des zukünftigen WIngolfspräsidents und allerlei sonstigen Leute, welche gemessen an ihrem Charisma in ihrem früheren Leben wohl auch Wingolfspräsidenten waren, wird freudig gebechert und am Falkensteinertisch auf den Zusammenhalt des Bundes angestossen (Natürlich der Falkensteinerbund!).

Lonrifl und Cincinnatus halten im Rahmen ihrer Präsidien würdige und vor allem unterhaltende Grussworte welche bei allen Anwesenden bestens ankommen.

Doch auch der Festcommers hat einmal ein Ende und als Trophäe gab es ein Fest-Steinkrug (von der Sorte, die die EU kürzlich verbieten wollte). Die Zeremonie jedoch, die zumindest uns an diesem Abend die meiste Vorfreude bot, stand noch bevor: der Landesvater! Der Rahmen war hier schon fast familiär, mit noch etwas mehr als 60 Personen, die daran teilnahmen, und einem unfähigen, frustrierten Pianisten. Carolus Rex und Tranquillo sowie Cincinnatus und ich stachen ihn zusammen. Das Lied erklang fast mehr schlecht als recht (von den zwei Ohrwurm-Strophen abgesehen), und die zwei Rapiere zogen den Tisch rauf und wieder runter, und am Ende hatte jeder sein durchstochenes Couleur wieder. Unser eigenes Taxi wird uns leider von einer anderen Verbindung geklaut. Doch schlussendlich schaffen auch wir es nach Hause, nachdem wir unterwegs im Storchennest Tranquillo noch aufgabeln. Mangels Platz beim Heidelberger Wingolf übernachtet er bei uns. Auch er ist beim Aufscheinen des Lichts in unserer Villa völlig baff.

IMAG0553Magnus, Cincinnatus, Carolus Rex und Pascha

Leider muss er uns am nächsten Morgen schon vor dem Frühstück wieder verlassen, und für uns geht es mit AH Pascha auf einen Ausflug zur Rudelsburg (ja, die aus dem Lied - bloss dass es nicht "Berge hier, und Berge da" hat, sondern bloss Hügel). Auf dem Turm hat man durchaus eine schöne Aussicht, auch auf die Saaleck, und im Turm ist eine kleine Ausstellung des Kösener Senioren Convents Verband (KSCV) untergebracht - die Rudelsburg ist quasi deren "Stammburg". Der KSCV setzt sich aus Corps (Achtung schlagend!) zusammen. Wenig überraschend befinden sich ganz in der Nähe auch noch eine Handvoll Denkmäler - eines für die Kriegstoten des KSCV im Deutsch-Französischen Krieg, eines für Otto von Bismarck (der in einer KSCV-Verbindung war) und eines für Kaiser Willhelm II. (ebenfalls Verbindungsstudent!). Am imposantesten war aber definitiv das Löwendenkmal, das den Toten des 1. Weltkriegs gedenkt. Meterhoch und -breit erhebt sich das Felsrelief, dahinter der Hügelfels, davor ein grosser Kiesplatz. Und auf einer Gedenktafel steht geschrieben:

Sie hielten aus in Kampf und Sturmeswettern
Und standen treu bei Tugend Recht und Pflicht
Das Schicksal kann die Heldenbrust zerschmettern
Doch einen Heldenwillen beugt es nicht

Loewendenkmal

Nach der Rückfahrt ist es doch schon Abend, und wir gönnen uns in einem Restaurant ein Abendessen. Mir unverständlich bestellt sich Cincinnatus ein Gericht mit Knödel - ich kann die Dinger mittlerweile nicht mehr sehen!

Sonntagmorgen steht bereits um zehn vor 8 (und nicht wie abgemacht um 8) der Vermieter im Haus - zum Frühstück kommen wir so leider nicht so ganz, aber umso besser, wenn wir früher wieder in der Schweiz sind! Mit 180 geht es dann fast völlig ungestört bis zu unserem Mittagessen auf einer Raststätte bei Freiburg. Endlich endlich kommen wir dann nach fast 6 Stunden in unserem wohlgemueten Bern an, und so endet ein weiterer Bericht über die Zähringischen Erlebnisse.