DSC00216 Wüstenbussard.Mehr Fotos gibt's hier

Philistertag 2015, Datum: 19.04.2015, Ort: Muri bei Bern

Daniel Ziltener v/o Magnus

09:35, Ort: Loebegge. X, FM, Contra und Magnus haben Stellung bezogen und haben Fläuse und unsere Fahne dabei. Wir entdecken zwei AH, die kurz darauf das blaue Bähnli besteigen und uns zurücklassen. Fünf Minuten später - zur abgemachten Zeit - wird uns auch wieder schlagartig klar, dass wir Zähringer sind, weil wieder einmal weniger als die Hälfte der Aktiven pünktlich da sind. Um 53 reicht es aber dann trotzdem allen aufs Tram. AH Merlin hat uns nach Muri eingeladen, wo uns ein Falkner die Beizjagd näherbringen und das Restaurant Sternen die Bäuche füllen soll.

DSC00199

Kurz nach zehn treffen wir in Muri ein, wo eine ansehnliche Anzahl Altherren und teilweise ihr männlicher Nachwuchs bereits auf uns warten. Wobei eigentlich vor Allem Merlin wartet, um mit seiner Rede den Philistertag zu eröffnen. Unser ursprünglich vorgesehener Falkner kann leider nicht kommen, wie wir nach längeren Ausführungen erfahren, da seine Raubvögel dem Nachwuchs frönen. Stattdessen wurde in Schaffhausen ein Ersatzfalkner organisiert. Das gute Wetter hingegen ist pünktlich und wie auf der Bestellung angegeben anwesend.

Nach einem zweiminütigen Fussmarsch stehen wir am Rande einer Kuhweide, und während sich sowohl die Aktivitas als auch die AHAH zunehmend fragen, wo denn nun die Raubvögel sind, erklärt uns der Falkner munter die halbe Menschheitsgeschichte, um dann nach fast einer Viertelstunde tatsächlich auf die Falknerei und die Beizjagd und deren Bedeutung in der Geschichte bis heute zu sprechen zu kommen. Schon vor 4000 Jahren haben die Mongolen damit begonnen, Raubvögel zur Jagd zu nutzen, und mit der Völkerwanderung kam das Wissen nach Westen, wo es im Mittelalter in ganz Europa, aber auch in der Arabischen Welt grosse Verbreitung fand. Auch heute noch wird Beizjagd betrieben, einerseits als Hobby, andererseits auch, um bei Flughäfen und auf landwirtschaftlichen Nutzflächen den unerwünschten Vögeln Einhalt zu gebieten.

 Nach weiteren Ausführungen und einer erneuten Verschiebung zu einem näher an der Aare gelegenen Parkplatz öffnet er schliesslich den Kofferraum und erklärt und präsentiert uns die beiden Raubvögel, sowie die zum Training und zur Jagd benutzten Utensilien wie das Glöckchen, Federspiel, Haube (siehe zweite Foto) und - ganz wichtig - die Futtertasche. Es scheint ein Bisschen wie bei den Fuxen zu sein - gehorcht wird dem Wesen mit der Nahrung, egal, wer es ist. Gezeigt wurden ein Wüstenbussard, der - "Überraschung!" - eigentlich gar kein Bussard ist, sondern zu den Habichten gehört, und ein Merlin-Falke. Habichte, erfahren wir weiter, töten mit den Krallen, Falken mit dem Schnabel. Das ganz klare Highlight war der Wüstenbussard. Nach einem recht spektakulären "Luftkampf" mit zwei Krähen zeigt sich die Wüstenbussarddame jedoch eher unkooperativ und lässt sich auch mit dem Poulet aus der Futtertasche nicht so recht locken. Auch viele Fussgänger gesellen sich dazu, um den Vogel zu begutachten, der nun auf einem tiefen Ast sitzt und Geräusche von sich gibt. Als sie sich nach einem Flug über unsere Köpfe, bei dem sie ein Stück Poulet auffängt, dazu entschliesst, sich im nächsten Baum zu verschanzen und die Uhr und der Magen zwölf schlägt, machen sich die Couleuriker auf den Weg ins Restaurant. Der Falkner hingegen musste den Wüstenbussard vom Baum holen, da sich dieser spontan entschlossen hatte, einen Horst zu bauen.

DSC00225

Dies jedoch ging an uns vorbei, wir sassen bereits im Saal des Restaurants Sternen in Muri und genossen das hart verdiente Bier und die "traditionellen" (lies: an jedem Philistertag servierten) Schweinsfiletmedaillons an Morchelrahmsauce. Nach der Crème Brûlée war dann endgültig Feidulitas angesagt, und bei der Aktivitas wie der Altherrenschaft kam Stamm-Stimmung auf. Leider zog recht bald gut die Hälfte der Anwesenden von dannen, was der Gemütlichkeit der restlichen Anwesenden aber glücklicherweise keinen Abbruch tat. Der Nachmittag fand sein gemütliches Ende in einem regelrechten Cantusmarathon, bei dem sich auch das Restaurantpersonal das Grinsen über die Texte nicht verkneifen konnte.

20150419_1734_2